Ramtin und die Panik vor morgen

Der Flur war viel zu laut. Ramtin ging durch den vollen Schulflur, sein Rucksack schlug ihm gegen den Rücken, als hätte er seine eigenen schweren Gedanken darin. Von den Wänden schrien Plakate: YOUR FUTURE – DEINE ZUKUNFT.

Universitäten. Ausbildungsprogramme. Jobs mit langen englischen Namen. Überall standen Schülergruppen, zeigten auf die Plakate, redeten schnell. Manche lachten, manche stritten darüber, welcher Beruf mehr Geld brachte, welche Stadt cooler war, welche Uni am schwersten zu bekommen war.

Ramtin starrte auf den Boden. Seine Gedanken fingen an zu kreisen, so wie sie es manchmal taten, wenn alles zu groß wurde. Was, wenn ich nie jemand werde? Was, wenn mein Deutsch so bleibt? Was, wenn alle anderen ihren Weg finden – nur ich nicht?

Das Geräusch im Flur wurde leiser, wie in weiter Entfernung. Einen Moment lang hörte er nur sein eigenes Herz und seine eigenen

Fragen. Der Riemen seines Rucksacks schnitt

ihm in die Schulter. Vielleicht ist er nicht nur

wegen der Bücher so  schwer, dachte er.

Vielleicht ist er so schwer

wegen allem, was ich fürchte, nie zu sein.

Er ging am Plakat vorbei und versuchte,

normal zu atmen, als wäre nichts.

Ramtin und die Panik vor morgen

Der Flur war viel zu laut. Ramtin ging durch den vollen Schulflur, sein Rucksack schlug ihm gegen den Rücken, als hätte er seine eigenen schweren Gedanken darin. Von den Wänden schrien Plakate: YOUR FUTURE – DEINE ZUKUNFT.

Universitäten. Ausbildungsprogramme. Jobs mit langen englischen Namen. Überall standen Schülergruppen, zeigten auf die Plakate, redeten schnell. Manche lachten, manche stritten darüber, welcher Beruf mehr Geld brachte, welche Stadt cooler war, welche Uni am schwersten zu bekommen war.

Ramtin starrte auf den Boden. Seine Gedanken fingen an zu kreisen, so wie sie es manchmal taten, wenn alles zu groß wurde. Was, wenn ich nie jemand werde? Was, wenn mein Deutsch so bleibt? Was, wenn alle anderen ihren Weg finden – nur ich nicht?

Das Geräusch im Flur wurde leiser, wie in weiter Entfernung. Einen Moment lang hörte er nur sein eigenes Herz und seine eigenen

Fragen. Der Riemen seines Rucksacks schnitt

ihm in die Schulter. Vielleicht ist er nicht nur

wegen der Bücher so  schwer, dachte er.

Vielleicht ist er so schwer

wegen allem, was ich fürchte, nie zu sein.

Er ging am Plakat vorbei und versuchte,

normal zu atmen, als wäre nichts.

Ramtin und die Panik vor morgen

Am Abend roch die Küche nach Bratkartoffeln und Kurkuma. Mama bewegte sich müde zwischen Herd und Tisch, der Fernseher murmelte im Wohnzimmer. Auf dem Tisch lag ein Stapel Briefe – Rechnungen und Formulare, alle irgendwie „dringend“ oder „wichtig“.

Baba kam spät, zog seufzend die Schuhe aus und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. „Viel Arbeit, wenig Geld“, sagte er und begann zu essen. Wie immer flochten sie Deutsch und Persisch durcheinander.„Wie war die Schule?“, fragte Baba. „Habt ihr etwas gelernt, das für deine Zukunft nützlich ist?“Da war es wieder: dieses Wort Zukunft. Ramtin zuckte mit den Schultern. „Wir hatten Berufetag. Sie haben über Jobs und Bewerbungen geredet. Es war… viel.“ „Deutschland hat viele Möglichkeiten“, sagte Baba. „Du kannst wählen, was du werden willst. Aber du musst gut lernen, ja? Dann hast du eine sichere Zukunft. Besser als im Iran.“Er meinte es liebevoll, doch genau das machte den Druck stärker.

Das Wort Zukunft lag wie eine unsichtbare Hand auf Ramtins Brust. Er wollte keine Sorgen machen, lächelte knapp. „Ja. Ich versuch’s.“Später lag er im Zimmer auf dem Bett. Deutschland und Iran flimmerten in seinem Kopf wie zwei Fernsehsender gleichzeitig – vertraut und verwirrend. Was bedeuten „Möglichkeiten“, dachte er, wenn ich nicht einmal weiß, wer ich sein will?

Ramtin und die Panik vor morgen

Am Abend roch die Küche nach Bratkartoffeln und Kurkuma. Mama bewegte sich müde zwischen Herd und Tisch, der Fernseher murmelte im Wohnzimmer. Auf dem Tisch lag ein Stapel Briefe – Rechnungen und Formulare, alle irgendwie „dringend“ oder „wichtig“.

Baba kam spät, zog seufzend die Schuhe aus und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. „Viel Arbeit, wenig Geld“, sagte er und begann zu essen. Wie immer flochten sie Deutsch und Persisch durcheinander.„Wie war die Schule?“, fragte Baba. „Habt ihr etwas gelernt, das für deine Zukunft nützlich ist?“Da war es wieder: dieses Wort Zukunft. Ramtin zuckte mit den Schultern. „Wir hatten Berufetag. Sie haben über Jobs und Bewerbungen geredet. Es war… viel.“ „Deutschland hat viele Möglichkeiten“, sagte Baba. „Du kannst wählen, was du werden willst. Aber du musst gut lernen, ja? Dann hast du eine sichere Zukunft. Besser als im Iran.“Er meinte es liebevoll, doch genau das machte den Druck stärker.

Das Wort Zukunft lag wie eine unsichtbare Hand auf Ramtins Brust. Er wollte keine Sorgen machen, lächelte knapp. „Ja. Ich versuch’s.“Später lag er im Zimmer auf dem Bett. Deutschland und Iran flimmerten in seinem Kopf wie zwei Fernsehsender gleichzeitig – vertraut und verwirrend. Was bedeuten „Möglichkeiten“, dachte er, wenn ich nicht einmal weiß, wer ich sein will?

Ramtin und die Panik vor morgen

Im Iran hatte sich die Sonne schärfer angefühlt. Ramtin erinnerte sich an den Balkon mit den staubigen Pflanzen, den Geruch von Tee, das ständige Hupen der Autos auf der Straße unten. Aus der Küche waren die Stimmen der Erwachsenen herübergeschwappt:

„Keine Jobs, nicht mal für Leute mit Abschluss.“

„Die Preise steigen schon wieder.“

„Alle wollen weg. Es gibt hier keine Zukunft.“

Er hatte nicht alle Wörter verstanden – Inflation, Sanktionen, Arbeitslosigkeit –, aber er hatte das Gefühl im Raum verstanden: schwer, festgefahren, hoffnungslos. Die Zukunft hatte sich oft wie eine verschlossene Tür angefühlt.

Dann hatte er eines Tages gehört, wie seine Eltern nachts „Deutschland“ flüsterten. Ihre Stimmen waren gleichzeitig voller Angst und Hoffnung. Deutschland klang wie eine Tür, die sich öffnete.

Jetzt waren sie hier, in diesem kalten Land mit ordentlichen Straßen, langen Formularen und so vielen Möglichkeiten, dass einem schwindlig werden konnte. Aber manchmal fühlte sich seine Brust immer noch eng an, als hätte die alte Hoffnungslosigkeit sich in einen Koffer gepackt und wäre mitgereist.

Ramtin und die Panik vor morgen

Im Iran hatte sich die Sonne schärfer angefühlt. Ramtin erinnerte sich an den Balkon mit den staubigen Pflanzen, den Geruch von Tee, das ständige Hupen der Autos auf der Straße unten. Aus der Küche waren die Stimmen der Erwachsenen herübergeschwappt:

„Keine Jobs, nicht mal für Leute mit Abschluss.“

„Die Preise steigen schon wieder.“

„Alle wollen weg. Es gibt hier keine Zukunft.“

Er hatte nicht alle Wörter verstanden – Inflation, Sanktionen, Arbeitslosigkeit –, aber er hatte das Gefühl im Raum verstanden: schwer, festgefahren, hoffnungslos. Die Zukunft hatte sich oft wie eine verschlossene Tür angefühlt.

Dann hatte er eines Tages gehört, wie seine Eltern nachts „Deutschland“ flüsterten. Ihre Stimmen waren gleichzeitig voller Angst und Hoffnung. Deutschland klang wie eine Tür, die sich öffnete.

Jetzt waren sie hier, in diesem kalten Land mit ordentlichen Straßen, langen Formularen und so vielen Möglichkeiten, dass einem schwindlig werden konnte. Aber manchmal fühlte sich seine Brust immer noch eng an, als hätte die alte Hoffnungslosigkeit sich in einen Koffer gepackt und wäre mitgereist.

Ramtin und die Panik vor morgen

„Heute“, sagte Frau Meier, seine Berufskundelehrerin, „sprechen wir über eure Ideen für eure berufliche Zukunft. Eure Berufswünsche.“ Sie drehte sich zur Tafel um und schrieb in großen Buchstaben:

AUSBILDUNG – STUDIUM – PRAKTIKUM – LEBENSLAUF

Sofort schossen Hände in die Höhe. „Ich will Ingenieur werden.“ „Game-Designer.“ …..

So viele Zukünfte in einem einzigen Klassenraum. „Und du, Ramtin?“, fragte Frau Meier und drehte sich mit einem freundlichen Lächeln zu ihm um. „Was siehst du dich eines Tages machen?“ Dreißig Köpfe drehten sich zu ihm.

Ramtin und die Panik vor morgen

„Heute“, sagte Frau Meier, seine Berufskundelehrerin, „sprechen wir über eure Ideen für eure berufliche Zukunft. Eure Berufswünsche.“ Sie drehte sich zur Tafel um und schrieb in großen Buchstaben:

AUSBILDUNG – STUDIUM – PRAKTIKUM – LEBENSLAUF

Sofort schossen Hände in die Höhe. „Ich will Ingenieur werden.“ „Game-Designer.“ …..

So viele Zukünfte in einem einzigen Klassenraum. „Und du, Ramtin?“, fragte Frau Meier und drehte sich mit einem freundlichen Lächeln zu ihm um. „Was siehst du dich eines Tages machen?“ Dreißig Köpfe drehten sich zu ihm

Ramtin und die Panik vor morgen

Sein Gesicht wurde heiß. Seine Zunge fühlte sich zu groß in seinem Mund an. „Ich… ich weiß es noch nicht“, sagte er leise. „Ich glaube, ich brauche mehr Zeit.“

Einige Schüler flüsterten, aber nicht gemein – eher neugierig. Trotzdem hätte er am liebsten im Boden versinken wollen. „Du hast Zeit“, sagte Frau Meier sanft. „Wir werden das gemeinsam in den nächsten Monaten erkunden, ja? Du musst heute noch nicht alles wissen.“ Ihre Stimme war freundlich. Aber in ihm flüsterte eine andere Stimme: Du hängst hinterher. Alle anderen haben schon einen Plan.

Ramtin und die Panik vor morgen

Sein Gesicht wurde heiß. Seine Zunge fühlte sich zu groß in seinem Mund an. „Ich… ich weiß es noch nicht“, sagte er leise. „Ich glaube, ich brauche mehr Zeit.“

Einige Schüler flüsterten, aber nicht gemein – eher neugierig. Trotzdem hätte er am liebsten im Boden versinken wollen. „Du hast Zeit“, sagte Frau Meier sanft. „Wir werden das gemeinsam in den nächsten Monaten erkunden, ja? Du musst heute noch nicht alles wissen.“ Ihre Stimme war freundlich. Aber in ihm flüsterte eine andere Stimme: Du hängst hinterher. Alle anderen haben schon einen Plan.

Ramtin und die Panik vor morgen

In dieser Nacht konnte er nicht schlafen. Die Fragen über die Zukunft kamen zurück, diesmal härter.
Was sollte er werden? Was konnte er werden? Was, wenn sich Deutsch nie leicht anfühlte? Was, wenn ihn niemand als Azubi wollte, als Student, als irgendetwas?

Er setzte sich auf und schnappte sich sein Notizbuch.

Er zeichnete eine Sanduhr. In die obere Hälfte schrieb er „Iran“. In die untere Hälfte schrieb er „Deutschland“. In die Mitte, dort, wo der Sand hindurchrinnen musste, zeichnete er einen kleinen Riss. Einige Körner fielen durch. Einige blieben stecken. Oberhalb der Sanduhr zeichnete er Berge und Sonne – Stücke vom Iran.
Darunter zeichnete er rote Dächer und eine Bushaltestelle – Stücke von Deutschland. Daneben fügte er einen kleinen Rucksack ein.

Darunter schrieb er in winzigen Buchstaben: Es fühlt sich an, als wäre Zeit stecken geblieben.

Lange sah er die Zeichnung an. Er fühlte sich nicht dramatisch und nicht beschämt, nur ehrlich.
Er riss die Seite heraus und schob sie in seinen Rucksack.

Ramtin und die Panik vor morgen

In dieser Nacht konnte er nicht schlafen. Die Fragen über die Zukunft kamen zurück, diesmal härter.
Was sollte er werden? Was konnte er werden? Was, wenn sich Deutsch nie leicht anfühlte? Was, wenn ihn niemand als Azubi wollte, als Student, als irgendetwas?

Er setzte sich auf und schnappte sich sein Notizbuch.

Er zeichnete eine Sanduhr. In die obere Hälfte schrieb er „Iran“. In die untere Hälfte schrieb er „Deutschland“. In die Mitte, dort, wo der Sand hindurchrinnen musste, zeichnete er einen kleinen Riss. Einige Körner fielen durch. Einige blieben stecken. Oberhalb der Sanduhr zeichnete er Berge und Sonne – Stücke vom Iran.
Darunter zeichnete er rote Dächer und eine Bushaltestelle – Stücke von Deutschland. Daneben fügte er einen kleinen Rucksack ein.

Darunter schrieb er in winzigen Buchstaben: Es fühlt sich an, als wäre Zeit stecken geblieben.

Lange sah er die Zeichnung an. Er fühlte sich nicht dramatisch und nicht beschämt, nur ehrlich.
Er riss die Seite heraus und schob sie in seinen Rucksack.

Ramtin und die Panik vor morgen

Im vollen Flur, als er sein Matheheft herauszog, rutschte das Blatt heraus und fiel auf den Boden.

„Hey, du hast was verloren“, sagte jemand.

Es war kein Schüler. Es war der Schulsozialarbeiter, Herr Yılmaz. Er bückte sich und hob die Zeichnung vorsichtig auf, ohne zu lachen.

„Hast du das gezeichnet?“, fragte er.

Ramtin spürte, wie ihm die Hitze den Nacken hinaufkroch. He wollte nein sagen. Aber er nickte.

„Das ist… nur etwas, das ich nachts gemalt habe“, murmelte er.

„Es ist sehr stark“, sagte Herr Yılmaz, und seine Stimme war weich, nicht spöttisch. „Da steckt viel drin. Wäre es für dich okay, wenn wir irgendwann darüber reden? Nur wenn du möchtest, natürlich.“

In seiner Stimme lag etwas, das den Druck in Ramtins Brust ein klein wenig löste. Es war die Art, wie er „wenn du möchtest“ sagte – und es auch wirklich so meinte.

Nach einem Moment sagte Ramtin ja. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag im kleinen Beratungsraum.

„Hast du manchmal auch körperliche Symptome?“, fragte Herr Yılmaz vorsichtig. „So etwas wie Herzrasen, Schwindel, das Gefühl, nicht richtig atmen zu können?“ Ramtin blickte auf seine Hände hinunter. „Ein paar Mal“, sagte er. „Meistens nachts. Einmal dachte ich, ich hätte einen Herzinfarkt.“

Ramtin und die Panik vor morgen

Im vollen Flur, als er sein Matheheft herauszog, rutschte das Blatt heraus und fiel auf den Boden.

„Hey, du hast was verloren“, sagte jemand.

Es war kein Schüler. Es war der Schulsozialarbeiter, Herr Yılmaz. Er bückte sich und hob die Zeichnung vorsichtig auf, ohne zu lachen.

„Hast du das gezeichnet?“, fragte er.

Ramtin spürte, wie ihm die Hitze den Nacken hinaufkroch. He wollte nein sagen. Aber er nickte.

„Das ist… nur etwas, das ich nachts gemalt habe“, murmelte er.

„Es ist sehr stark“, sagte Herr Yılmaz, und seine Stimme war weich, nicht spöttisch. „Da steckt viel drin. Wäre es für dich okay, wenn wir irgendwann darüber reden? Nur wenn du möchtest, natürlich.“

In seiner Stimme lag etwas, das den Druck in Ramtins Brust ein klein wenig löste. Es war die Art, wie er „wenn du möchtest“ sagte – und es auch wirklich so meinte.

Nach einem Moment sagte Ramtin ja. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag im kleinen Beratungsraum.

„Hast du manchmal auch körperliche Symptome?“, fragte Herr Yılmaz vorsichtig. „So etwas wie Herzrasen, Schwindel, das Gefühl, nicht richtig atmen zu können?“ Ramtin blickte auf seine Hände hinunter. „Ein paar Mal“, sagte er. „Meistens nachts. Einmal dachte ich, ich hätte einen Herzinfarkt.“

Ramtin und die Panik vor morgen

Der Raum war warm und ruhig. Auf dem Fensterbrett stand eine Pflanze. An der Wand hing ein Plakat über Prüfungsstress in drei Sprachen.

Die Sanduhrzeichnung lag auf dem Tisch zwischen ihnen.

„Es sieht so aus, als würdest du viel tragen“, sagte Herr Yılmaz leise. „Zwischen zwei Orten. Zwischen zwei Zeiten.“ Ramtin sah die Zeichnung an. „Es ist wie… als hätte ich Jahre verloren“, sagte er schließlich. „Wir sind aus dem Iran weggegangen, dann musste ich alles noch mal von vorne anfangen. Neue Sprache. Neues Schulsystem. Die anderen hatten schon etwas aufgebaut, während ich gerade erst angekommen bin. Es fühlt sich an, als würde ich ständig versuchen aufzuholen. Als würde die Zeit für mich zu schnell rennen.“

Er hielt kurz inne und fügte dann leiser hinzu: „Und wenn ich nicht aufhole, habe ich nie eine richtige Zukunft.“ Sie saßen einen Moment schweigend da.

„Es ist total nachvollziehbar, dass du dich so fühlst“, sagte der Sozialarbeiter. „Du bist in ein anderes Land gezogen. Du hast die Sprache gewechselt. Das ist eine große Sache für dein Gehirn und dein Herz.“ Er tippte sanft auf das Bild. „Der Riss in der Mitte… wenn du ihn anschaust, was fühlst du in deinem Körper?“

„So etwas wie Druck“, sagte Ramtin. „In der Brust. Und im Kopf. So wie wenn im Flur alle über ihre Zukunft reden und ich einfach… einfriere.“

Ramtin und die Panik vor morgen

Der Raum war warm und ruhig. Auf dem Fensterbrett stand eine Pflanze. An der Wand hing ein Plakat über Prüfungsstress in drei Sprachen.

Die Sanduhrzeichnung lag auf dem Tisch zwischen ihnen.

„Es sieht so aus, als würdest du viel tragen“, sagte Herr Yılmaz leise. „Zwischen zwei Orten. Zwischen zwei Zeiten.“ Ramtin sah die Zeichnung an. „Es ist wie… als hätte ich Jahre verloren“, sagte er schließlich. „Wir sind aus dem Iran weggegangen, dann musste ich alles noch mal von vorne anfangen. Neue Sprache. Neues Schulsystem. Die anderen hatten schon etwas aufgebaut, während ich gerade erst angekommen bin. Es fühlt sich an, als würde ich ständig versuchen aufzuholen. Als würde die Zeit für mich zu schnell rennen.“

Er hielt kurz inne und fügte dann leiser hinzu: „Und wenn ich nicht aufhole, habe ich nie eine richtige Zukunft.“ Sie saßen einen Moment schweigend da.

„Es ist total nachvollziehbar, dass du dich so fühlst“, sagte der Sozialarbeiter. „Du bist in ein anderes Land gezogen. Du hast die Sprache gewechselt. Das ist eine große Sache für dein Gehirn und dein Herz.“ Er tippte sanft auf das Bild. „Der Riss in der Mitte… wenn du ihn anschaust, was fühlst du in deinem Körper?“

„So etwas wie Druck“, sagte Ramtin. „In der Brust. Und im Kopf. So wie wenn im Flur alle über ihre Zukunft reden und ich einfach… einfriere.“

Ramtin und die Panik vor morgen

Das erste Mal war erst vor ein paar Tagen gewesen. Er hatte im Bett gelegen und an die dunkle Decke gestarrt. Seine Gedanken über die Zukunft jagten im Kreis: Was, wenn du versagst? Was, wenn du nie einen Job findest? Was, wenn sie es bereuen, hierher gekommen zu sein – wegen dir?

Die Fragen wurden immer schneller, bis sich sein Gehirn anfühlte, als würde es gleich explodieren. Dann fing sein Herz an zu hämmern. Seine Brust wurde eng. Die Luft fühlte sich dünn an, als hätte jemand den Sauerstoff aus dem Zimmer gestohlen. Seine Finger kribbelten. Sein Gesicht war gleichzeitig heiß und kalt.

Er setzte sich ruckartig auf und griff sich an die Brust. Ich sterbe. Ich sterbe. Mit meinem Herz stimmt etwas nicht.

Er versuchte, tief einzuatmen, doch das machte alles nur noch seltsamer. Das Zimmer wirkte weit weg, als würde er sich selbst von außen beobachten.
Er rief seine Eltern nicht. Er wollte sie nicht erschrecken.

Nach einigen Minuten ließ das Gefühl langsam nach. Sein Herz schlug immer noch schnell, aber seine Lungen arbeiteten wieder. Als alles vorbei war, zitterte er und war völlig erschöpft.

Jetzt erzählte er Herrn Yılmaz mit leiser Stimme davon.

Ramtin und die Panik vor morgen

Das erste Mal war erst vor ein paar Tagen gewesen. Er hatte im Bett gelegen und an die dunkle Decke gestarrt. Seine Gedanken über die Zukunft jagten im Kreis: Was, wenn du versagst? Was, wenn du nie einen Job findest? Was, wenn sie es bereuen, hierher gekommen zu sein – wegen dir?

Die Fragen wurden immer schneller, bis sich sein Gehirn anfühlte, als würde es gleich explodieren. Dann fing sein Herz an zu hämmern. Seine Brust wurde eng. Die Luft fühlte sich dünn an, als hätte jemand den Sauerstoff aus dem Zimmer gestohlen. Seine Finger kribbelten. Sein Gesicht war gleichzeitig heiß und kalt.

Er setzte sich ruckartig auf und griff sich an die Brust. Ich sterbe. Ich sterbe. Mit meinem Herz stimmt etwas nicht.

Er versuchte, tief einzuatmen, doch das machte alles nur noch seltsamer. Das Zimmer wirkte weit weg, als würde er sich selbst von außen beobachten.
Er rief seine Eltern nicht. Er wollte sie nicht erschrecken.

Nach einigen Minuten ließ das Gefühl langsam nach. Sein Herz schlug immer noch schnell, aber seine Lungen arbeiteten wieder. Als alles vorbei war, zitterte er und war völlig erschöpft.

Jetzt erzählte er Herrn Yılmaz mit leiser Stimme davon.

Ramtin und die Panik vor morgen

„Es klingt so, als hättest du eine Panikattacke gehabt“,  sagte der Sozialarbeiter sanft. „Hast du dieses Wort schon einmal gehört?“ „Ein bisschen“, sagte Ramtin. „Aber es fühlt sich an… als wäre wirklich etwas mit mir kaputt. Als würde ich vielleicht verrückt werden. Oder sterben.“„So fühlen sich Panikattacken an“, sagte Herr Yılmaz. „Sie sind sehr, sehr beängstigend. Aber das Wichtigste ist: Eine Panikattacke ist dein inneres Alarmsystem, das zu stark anschlägt.

Es fühlt sich gefährlich an. Aber an sich ist sie nicht gefährlich. Dein Körper versucht, dich vor etwas zu schützen, das er für eine Bedrohung hält.“Er lehnte sich zurück. „Die gute Nachricht ist: Man kann Dinge lernen, die helfen, wenn dieser Alarm losgeht. Werkzeuge für deinen Körper und deine Sinne. Willst du ein paar davon ausprobieren?“Ramtin zögerte. Dann nickte er.

Ramtin und die Panik vor morgen

„Es klingt so, als hättest du eine Panikattacke gehabt“,  sagte der Sozialarbeiter sanft. „Hast du dieses Wort schon einmal gehört?“ „Ein bisschen“, sagte Ramtin. „Aber es fühlt sich an… als wäre wirklich etwas mit mir kaputt. Als würde ich vielleicht verrückt werden. Oder sterben.“„So fühlen sich Panikattacken an“, sagte Herr Yılmaz. „Sie sind sehr, sehr beängstigend. Aber das Wichtigste ist: Eine Panikattacke ist dein inneres Alarmsystem, das zu stark anschlägt.

Es fühlt sich gefährlich an. Aber an sich ist sie nicht gefährlich. Dein Körper versucht, dich vor etwas zu schützen, das er für eine Bedrohung hält.“Er lehnte sich zurück. „Die gute Nachricht ist: Man kann Dinge lernen, die helfen, wenn dieser Alarm losgeht. Werkzeuge für deinen Körper und deine Sinne. Willst du ein paar davon ausprobieren?“Ramtin zögerte. Dann nickte er.

Ramtin und die Panik vor morgen

Alles war besser, als einfach nur auf die nächste Panikwelle zu warten. „Fangen wir mit deiner Atmung an“, sagte Herr Yılmaz. Er nahm ein leeres Blatt und zeichnete ein Quadrat. „Das nennen wir Box-Breathing“, erklärte er. „Stell dir vor, du gehst mit deinem Atem langsam an den Rändern dieses Quadrats entlang.“

An jede Seite schrieb er:

Einatmen – 4
Halten – 4
Ausatmen – 4
Pause – 4

„Wir atmen durch die Nase ein, vier Sekunden lang“, sagte er. „Dann halten wir vier Sekunden. Dann atmen wir langsam durch den Mund aus, vier Sekunden. Dann ruhen wir wieder vier Sekunden. Das Zählen hilft deinem Körper, aus dem Panikmodus herauszukommen.“

Ramtin und die Panik vor morgen

Alles war besser, als einfach nur auf die nächste Panikwelle zu warten. „Fangen wir mit deiner Atmung an“, sagte Herr Yılmaz. Er nahm ein leeres Blatt und zeichnete ein Quadrat. „Das nennen wir Box-Breathing“, erklärte er. „Stell dir vor, du gehst mit deinem Atem langsam an den Rändern dieses Quadrats entlang.“

An jede Seite schrieb er:

Einatmen – 4
Halten – 4
Ausatmen – 4
Pause – 4

„Wir atmen durch die Nase ein, vier Sekunden lang“, sagte er. „Dann halten wir vier Sekunden. Dann atmen wir langsam durch den Mund aus, vier Sekunden. Dann ruhen wir wieder vier Sekunden. Das Zählen hilft deinem Körper, aus dem Panikmodus herauszukommen.“

Ramtin und die Panik vor morgen

Herr Yılmaz ließ Ramtin zuerst das Quadrat mit der Atmung üben: vier Sekunden einatmen, vier Sekunden halten, vier Sekunden ausatmen, vier Sekunden Pause. Sie gingen die Zählung mehrmals durch. Nach ein paar Runden wurden Ramtins Schultern schwerer, sein Atem ruhiger und in seinem Kopf wurde es leiser.

Dann erklärte der Sozialarbeiter die Fünf-Sinne-Übung:

5 Dinge sehen

4 Dinge fühlen

3 Dinge hören

2 Dinge riechen

1 Sache schmecken.

Gemeinsam suchten sie Beispiele im Raum, und Ramtin stellte sich am Ende den Geschmack von süßem Schwarztee vor. „So holst du dein Gehirn zurück ins Jetzt“, sagte Herr Yılmaz. „Du kannst das auch nur in Gedanken machen – dann sagst du dir: Ich bin jetzt hier, in diesem Moment sicher genug.“

Zum Schluss schlug er noch einen Anker-Gegenstand vor: etwas Kleines, das Ramtin in die Hand nehmen kann, wenn die Angst kommt – zum Beispiel ein Stein, ein Armband oder ein Schlüsselanhänger. „Er erinnert dich an deine Werkzeuge“, erklärte er, „und er sollte zu deiner Geschichte passen – zwischen zwei Orten, Schritt für Schritt.“

Ramtin und die Panik vor morgen

Herr Yılmaz ließ Ramtin zuerst das Quadrat mit der Atmung üben: vier Sekunden einatmen, vier Sekunden halten, vier Sekunden ausatmen, vier Sekunden Pause. Sie gingen die Zählung mehrmals durch. Nach ein paar Runden wurden Ramtins Schultern schwerer, sein Atem ruhiger und in seinem Kopf wurde es leiser.

Dann erklärte der Sozialarbeiter die Fünf-Sinne-Übung:

5 Dinge sehen

4 Dinge fühlen

3 Dinge hören

2 Dinge riechen

1 Sache schmecken.

Gemeinsam suchten sie Beispiele im Raum, und Ramtin stellte sich am Ende den Geschmack von süßem Schwarztee vor. „So holst du dein Gehirn zurück ins Jetzt“, sagte Herr Yılmaz. „Du kannst das auch nur in Gedanken machen – dann sagst du dir: Ich bin jetzt hier, in diesem Moment sicher genug.“

Zum Schluss schlug er noch einen Anker-Gegenstand vor: etwas Kleines, das Ramtin in die Hand nehmen kann, wenn die Angst kommt – zum Beispiel ein Stein, ein Armband oder ein Schlüsselanhänger. „Er erinnert dich an deine Werkzeuge“, erklärte er, „und er sollte zu deiner Geschichte passen – zwischen zwei Orten, Schritt für Schritt.“

Ramtin und die Panik vor morgen

Ein paar Abende später saß Mama mit etwas übriggebliebener Baumwollschnur am Tisch. „Was machst du da?“, fragte er.

„Einen kleinen Schlüsselanhänger“, sagte sie. „Makramee. Das haben wir früher gemacht, als ich so alt war wie du. Willst du es lernen?“

Er setzte sich zu ihr. Sie zeigte ihm geduldig, wie man die Knoten knüpft. Über und unter, die Fäden ziehen, ein einfaches, aber starkes Muster entstehen lassen. Seine Finger bewegten sich zuerst langsam, dann sicherer.

Als der Schlüsselanhänger fertig war, holte Baba aus einer Schublade eine kleine Metallplatte.
Auf die eine Seite gravierten sie auf Persisch: قدم به قدم.
Auf die andere Seite: Step by step.

„Warum das?“, fragte Mama. „Weil ich manchmal alle Antworten über meine Zukunft auf einmal haben will“, sagte Ramtin. „Und dann kriege ich Panik. Ich möchte etwas, das mich daran erinnert, dass ich nur den nächsten kleinen Schritt brauche.“

Er befestigte den fertigen Schlüsselanhänger an seiner Schultasche. Die Fäden fühlten sich rau und weich zugleich an. Die Metallplatte war kühl auf seiner Haut, wenn er sie in der Hand hielt. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, nicht nur Angst mit sich herumzutragen, sondern auch etwas, das helfen konnte.

Ramtin und die Panik vor morgen

Ein paar Abende später saß Mama mit etwas übriggebliebener Baumwollschnur am Tisch. „Was machst du da?“, fragte er.

„Einen kleinen Schlüsselanhänger“, sagte sie. „Makramee. Das haben wir früher gemacht, als ich so alt war wie du. Willst du es lernen?“

Er setzte sich zu ihr. Sie zeigte ihm geduldig, wie man die Knoten knüpft. Über und unter, die Fäden ziehen, ein einfaches, aber starkes Muster entstehen lassen. Seine Finger bewegten sich zuerst langsam, dann sicherer.

Als der Schlüsselanhänger fertig war, holte Baba aus einer Schublade eine kleine Metallplatte.
Auf die eine Seite gravierten sie auf Persisch: قدم به قدم.
Auf die andere Seite: Step by step.

„Warum das?“, fragte Mama. „Weil ich manchmal alle Antworten über meine Zukunft auf einmal haben will“, sagte Ramtin. „Und dann kriege ich Panik. Ich möchte etwas, das mich daran erinnert, dass ich nur den nächsten kleinen Schritt brauche.“

Er befestigte den fertigen Schlüsselanhänger an seiner Schultasche. Die Fäden fühlten sich rau und weich zugleich an. Die Metallplatte war kühl auf seiner Haut, wenn er sie in der Hand hielt. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, nicht nur Angst mit sich herumzutragen, sondern auch etwas, das helfen konnte.

Ramtin und die Panik vor morgen

Das erste Mal, dass er ihn wirklich brauchte, war ein paar Wochen später. Die Klasse sprach über Prüfungen und Abschlussnoten. Jemand fragte die Lehrerin, wie viele Punkte man für bestimmte Schularten brauchte. Die Lehrerin begann, Tabellen an die Tafel zu zeichnen, sprach über Durchschnittsnoten, Bewerbungen, Konkurrenz.

Jetzt geht es los, dachte Ramtin. Sein Herz begann schneller zu schlagen. Seine Brust wurde eng. Das vertraute Kreisen im Kopf setzte ein: Was, wenn ich versage, was, wenn ich versage, was, wenn ich versage. Sein Blickfeld wurde enger. Die Geräusche im Raum wurden fern und seltsam. Fast wie automatisch griff seine Hand zu seiner Tasche. Seine Finger fanden den Makramee-Schlüsselanhänger. Er umklammerte ihn, spürte die Knoten in seine Haut drücken. Rau. Echt. Hier, sagte er sich. Er erinnerte sich an das Quadrat. Ein… zwei, drei, vier. Halten… zwei, drei, vier. Aus… zwei, drei, vier. Pause… zwei, drei, vier.

Er folgte dem imaginären Kasten mit seinem Atem. Dann begann er die Bodenübung in Gedanken. Fünf Dinge, die ich sehen kann: die weiße Tafel, Saras grünen Hoodie, die Uhr, das Fenster, ihr Mäppchen. Vier Dinge, die ich fühlen kann: den Stuhl unter meinen Beinen, meine Füße in den Schuhen, den Schlüsselanhänger in meiner Hand, die Holzkante des Tisches. Drei Dinge, die ich hören kann: kratzende Stifte, die Stimme der Lehrerin, ein Auto draußen.

Die Welle der Panik war noch da – aber sie riss ihn diesmal nicht mit. Sie zog an ihm vorbei wie ein starker Wind, anstatt ihn wie tiefes Wasser nach unten zu ziehen. Niemand im Klassenzimmer schien etwas zu bemerken. Die Lehrerin redete weiter über Noten. Jemand machte einen Witz. Einige lachten.

Ramtins Herz schlug immer noch schnell, aber er konnte die Worte wieder verstehen.

Es funktioniert, dachte er erstaunt. Die Panik ist da. Aber ich bin auch da.

Ramtin und die Panik vor morgen

Wochen später stand sein nächstes Referat in Deutsch an. Die alte Angst besuchte ihn an diesem Morgen wie ein unerwünschter Gast. Im Bus zur Schule fühlte sich sein Bauch an, als wäre er voller Steine. Seine Hände waren kalt. Sein Kopf wollte in Katastrophenfilme fliehen: Du wirst alles vergessen. Sie werden lachen. Die Lehrerin wird denken, du bist faul. Du wirst nie Er nahm den Makramee-Schlüsselanhänger aus der Tasche und hielt ihn fest.

Er folgte mit seinem Atem dem Quadrat: einatmen, halten, ausatmen, Pause.

Er blickte aus dem Fenster und nannte fünf Dinge, die er sehen konnte: einen Hundespaziergänger, eine Ampel, eine Bäckerei, einen Radfahrer, einen Baum.

Die Steine im Bauch verschwanden nicht, aber sie wurden etwas kleiner.

Vor der Klasse zitterte er immer noch. Er vergaß einen Satz und musste in seine Notizen schauen. Seine Stimme brach einmal. Aber er rannte nicht weg. Er hörte nicht auf.

Als er fertig war, zeigte Ali ihm einen Daumen nach oben. Die Lehrerin lächelte und schrieb auf seinen Zettel: „gut strukturiert – gute Argumentation“.

Ramtin und die Panik vor morgen

Wochen später stand sein nächstes Referat in Deutsch an. Die alte Angst besuchte ihn an diesem Morgen wie ein unerwünschter Gast. Im Bus zur Schule fühlte sich sein Bauch an, als wäre er voller Steine. Seine Hände waren kalt. Sein Kopf wollte in Katastrophenfilme fliehen: Du wirst alles vergessen. Sie werden lachen. Die Lehrerin wird denken, du bist faul. Du wirst nie Er nahm den Makramee-Schlüsselanhänger aus der Tasche und hielt ihn fest.

Er folgte mit seinem Atem dem Quadrat: einatmen, halten, ausatmen, Pause.

Er blickte aus dem Fenster und nannte fünf Dinge, die er sehen konnte: einen Hundespaziergänger, eine Ampel, eine Bäckerei, einen Radfahrer, einen Baum.

Die Steine im Bauch verschwanden nicht, aber sie wurden etwas kleiner.

Vor der Klasse zitterte er immer noch. Er vergaß einen Satz und musste in seine Notizen schauen. Seine Stimme brach einmal. Aber er rannte nicht weg. Er hörte nicht auf.

Als er fertig war, zeigte Ali ihm einen Daumen nach oben. Die Lehrerin lächelte und schrieb auf seinen Zettel: „gut strukturiert – gute Argumentation“.

Ramtin und die Panik vor morgen

Zu Hause erzählte er Mama endlich von der Panik, der Atmung, den Bodenübungen, dem Schlüsselanhänger. Sie hörte aufmerksam zu und holte dann selbst tief Luft.

„Als ich so alt war wie du“, sagte sie leise, „hat mein Herz auch manchmal gerast. Ich wusste nicht, was das ist. Ich dachte, ich wäre schwach. Niemand hat mir damals erklärt, was Panik ist.“ Sie berührte den Schlüsselanhänger. „Ich bin froh, dass du diese Werkzeuge jetzt lernst“, sagte sie. „Du bist nicht schwach. Dein Körper ist nur manchmal sehr laut.“

Zum ersten Mal fühlte sich Ramtin wegen seiner Angst nicht kaputt an. Er fühlte sich… mutig. Nicht, weil er keine Angst hatte, sondern weil er lernte, ihr zu begegnen.

Schritt für Schritt.

Ramtin und die Panik vor morgen

Zu Hause erzählte er Mama endlich von der Panik, der Atmung, den Bodenübungen, dem Schlüsselanhänger. Sie hörte aufmerksam zu und holte dann selbst tief Luft.

„Als ich so alt war wie du“, sagte sie leise, „hat mein Herz auch manchmal gerast. Ich wusste nicht, was das ist. Ich dachte, ich wäre schwach. Niemand hat mir damals erklärt, was Panik ist.“ Sie berührte den Schlüsselanhänger. „Ich bin froh, dass du diese Werkzeuge jetzt lernst“, sagte sie. „Du bist nicht schwach. Dein Körper ist nur manchmal sehr laut.“

Zum ersten Mal fühlte sich Ramtin wegen seiner Angst nicht kaputt an. Er fühlte sich… mutig. Nicht, weil er keine Angst hatte, sondern weil er lernte, ihr zu begegnen.

Schritt für Schritt.

Ramtin und die Panik vor morgen

Manchmal kam die Angst trotzdem zurück. An manchen Abenden war die Zukunft immer noch zu groß. Er lag im Bett und spürte, wie die Fragen wieder losschießen wollten. Was, wenn… was, wenn… was, wenn…

An diesen Tagen griff er nach seinem Makramee-Schlüsselanhänger. Er fühlte die Knoten zwischen seinen Fingern, das kühle Metall der kleinen Platte. Er folgte dem Quadrat in Gedanken mit seinem Atem.

Er sah sich langsam in seinem Zimmer um und nahm wahr, was wirklich da war: das Poster an der Wand, seine abgetragenen Turnschuhe, seine Schultasche, das Foto der Großeltern im Regal. Er nannte, was er sehen, fühlen, hören konnte.

Dann flüsterte er, so leise, dass niemand außer ihm es hören konnte:
„Step by step.“

Er erinnerte sich daran, dass er heute Nacht nicht seine ganze Zukunft kennen musste. Er musste nicht sofort entscheiden, was er in dreißig Jahren sein wollte. Er brauchte nur den nächsten kleinen Schritt.

Eine Hausaufgabe.
Eine Frage an eine Lehrerin.
Ein Gespräch mit dem Sozialarbeiter.
Ein Atemzug.

Jedes Mal, wenn er das tat, wurde die Angst ein bisschen leiser. Er hatte immer noch nicht alle Antworten. Aber er hatte jetzt etwas anderes:

Einen Weg, mit seiner Angst zu gehen, statt von ihr gejagt zu werden.

Und irgendwie fühlte sich das schon wie der Anfang einer Zukunft an, der er trauen konnte.

Ramtin und die Panik vor morgen

Manchmal kam die Angst trotzdem zurück. An manchen Abenden war die Zukunft immer noch zu groß. Er lag im Bett und spürte, wie die Fragen wieder losschießen wollten. Was, wenn… was, wenn… was, wenn…

An diesen Tagen griff er nach seinem Makramee-Schlüsselanhänger. Er fühlte die Knoten zwischen seinen Fingern, das kühle Metall der kleinen Platte. Er folgte dem Quadrat in Gedanken mit seinem Atem.

Er sah sich langsam in seinem Zimmer um und nahm wahr, was wirklich da war: das Poster an der Wand, seine abgetragenen Turnschuhe, seine Schultasche, das Foto der Großeltern im Regal. Er nannte, was er sehen, fühlen, hören konnte.

Dann flüsterte er, so leise, dass niemand außer ihm es hören konnte:
„Step by step.“

Er erinnerte sich daran, dass er heute Nacht nicht seine ganze Zukunft kennen musste. Er musste nicht sofort entscheiden, was er in dreißig Jahren sein wollte. Er brauchte nur den nächsten kleinen Schritt.

Eine Hausaufgabe.
Eine Frage an eine Lehrerin.
Ein Gespräch mit dem Sozialarbeiter.
Ein Atemzug.

Jedes Mal, wenn er das tat, wurde die Angst ein bisschen leiser. Er hatte immer noch nicht alle Antworten. Aber er hatte jetzt etwas anderes:

Einen Weg, mit seiner Angst zu gehen, statt von ihr gejagt zu werden.

Und irgendwie fühlte sich das schon wie der Anfang einer Zukunft an, der er trauen konnte.